Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


0.5.14 Das herkunftslose Dreiband

Unter Liebhabern der Besonderheiten des Schlottwitzer Gangsystems nimmt das „Dreiband“ eine besondere Rolle ein. Es besticht durch die Parallelität dreier auf den ersten Blick sehr ähnlicher Bänder, die auf den zweiten Blick aber ziemlich unterschiedlich aufgebaut sind. Man findet es relativ selten auf den Feldern in der Gegend um Crotta und noch viel seltener im weiteren Verlauf der alten Müglitz und der alten Elbe (sogar im Bautzner Elbelauf!).

Das Erscheinungsbild ist durch die vergilbte Matrix sehr warm und wird im Idealfall durch Rauchquarz erhöht.

Diese drei Stücke stammen aus der Gegend um Crotta. Die folgenden sind viel weiter gewandert und landeten in der Lausitz und in Riesa (das erste der drei):

Und zum Schluss noch eines aus Großsedlitz:

Die „Phantasielosigkeit“, mit der die Stücke eine seltene Konstanz des Aufbaus zeigen, führt dazu, dass man sie selbst an kleinen Bruchstücken erkennen kann:

Auch für diesen Gang trifft also zu, was auch für den Berthelsdorfer Amathyst in Cunnersdorf gilt: Das heutige tiefe Müglitztal (über 100 m Höhenunterschied!) kann es damals noch nicht gegeben haben. Der Transport in der „alten Müglitz“ fand also mindestens 100 m höher statt als heute. Das gleiche gilt für die Elbe in der Lausitz.

Nimmt man Bildungstemperaturen von etwa 80 bis 90°C für die Achate an, wie Sauerstoff-Isotopen-Messungen vermuten lassen,  und einen Temperaturgradienten von etwas über 4 Grad auf 100m (während der Gebirgsbildung) und ein Alter von 290 Mio Jahren, so war die Gebirgsdecke über der heutigen Oberfläche damals bis zu 2 km dick und ist mit etwa einem Hundertstel Millimeter pro Jahr abgetragen worden und die Elbe hinabgeflossen. Das ergibt bei einer Fläche des Osterzgebirges von rund 3000 Quadratkilometern pro Jahr etwa 70.000 Tonnen bei einer Dichte von 2,3 g/cm³. Für einen Durchfluss der Elbe von im Mittel 300 m³/s ergäbe das einen mittleren Feststoffgehalt von etwa 10 mg auf den Liter Elbwasser. (Das schwankt natürlich stark, der Haupttransport erfolgt sicher während der Starkregen und den daraus folgenden Hochwasserphasen.)

Kommentare

Chris Pausch am Donnerstag, 2. Mai 2019:

Hallo,

ich habe mich über die Begegnung mit Ihnen auf der Börse in Dresden sehr gefreut und nach der Ermunterung, schreibe ich gern ein paar Worte! Zunächst möchte ich nochmal wiederholen, dass mich die hier zusammen getragene Arbeit sehr beeindruckt und ich insbesondere den Topics ab 0.5 (Achatsammlung Osterzgebirge) gern fröhne.
Wenn gewünscht schicke ich gern nocmal Bilder des schon gezeigten Stückes Dreiband, sobald diese geschliffen und poliert sind. Sollte ich im Elbgeröll nochmal ein Stück dieser Güte auffinden dürfen, hab ich Sie im Gedächtnis und arbeite gern Bilder zu.

Joachim Adolphi am Donnerstag, 2. Mai 2019:

Hallo Herr Pausch,

natürlich würde ich mich über Bilder des fertigen Stücks sehr freuen und sie (natürlich nur im Falle Ihrer ausdrücklichen Genehmigung!) auch hier veröffentlichen. Es ist immer wieder spannend, die Verfrachtungswege der Achate durch Flüsse zu verfolgen.

Ja, das Kennenlernen auf der Börse war ein schönes Erlebnis. Danke für die Präsentation des taufrischen Fundes!

Chris Pausch am Donnerstag, 2. Mai 2019:

Mit ausdrücklichen Genehmigungen habe ich im Hobby nicht viel im Sinn! Da ist mir die Devise: „Finden, teilen und gemeinsam erfreuen!“ dann doch irgendwie näher.

Die Verfrachtungswege sind in der Tat spannend, wobei ich die Aufarbeiteung, welche Michael Hurtig in seinem Buch über Moldavite vorgenommen hat, als hoch informativ einschätze, zumindest was den Verlauf der Ur-Elbe betrifft. Ich konnte am Sonntag nach der Börse wiederum auf der derzeitigen Baustelle noch einige Funde machen. Wenn gewünscht stelle ich Bilder bereit.

Kommentar abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.