Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


4.6 Kultur und Marktwirtschaft

(zuletzt geändert: 22.04.2018)

Die Marktwirtschaft verdankt ihre Dynamik der Möglichkeit erfolgreicher Spekulation. Der Investor geht in persönliche Vorleistung, trägt also ein persönliches Risiko. Damit sich das lohnt, muss er einen Gewinn machen, der aus der positiven Differenz von Einnahmen und Ausgaben resultiert. Die Einnahmen kommen von seinen Kunden, deren Bedarf er deckt.

Das ist alles.

Der Teufel steckt, wie immer, im Detail. Der Begriff des Bedarfes erheischt eine Konkretisierung. Es gibt Grundbedürfnisse, weil der Mensch ein Tier ist, und Modebedarfe, weil der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist, und vieles zwischen diesen beiden Polen.

Das Grundbedürfnis des fellfreien Menschen nach Kleidung muss nicht jährlich durch neue Farbvorschriften der Mode neu realisiert werden. Das Grundbedürfnis des Investors nach Umsatz muss aber jährlich erfüllt werden. Diesen Widerspruch kann man mit Werbung lösen, indem diese einen Bedarf erzeugt.

Es gehört inzwischen zum normalen freien Spiel der Marktwirtschaft, die indirekte Ansprache der sieben Todsünden (eigentlich: Hauptlaster, und somit direkte Gegenspieler von Kultur im weitesten Sinne!) durch alle Teilnehmer zu tolerieren:

Es fehlt hier nur der Jähzorn, aber der ist ja im Abschnitt Demokratie beim Wahlkampf schon gut untergebracht.

Es bedarf also einer stark verankerten Kultur, trotz Marktwirtschaft dem Kantschen Imperativ treu zu bleiben.

 

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