Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


0.5.1.9 Das „Fingerband“ FB

Das sogenannte „Fingerband“ ist auf den ersten Blick kein „Hingucker“, aber für den Laien eine gute kontrastverstärkende Zwischenlage zwischen Amethyst und Achat.

Für den Liebhaber bietet das FB die größte Vielfalt des Schlottwitzer Ganges und kann in ähnlicher, aber viel geringerer Ausprägung im gesamten OEG vorkommen. „Sagenit“ sagen manche Sammler zu diesen meist feinhaarigen Büscheln, die im durchsichtigen Chalcedon herrlich plastisch sichtbar sind. (Auch in Achat-Geoden aus verscheidenen Gegenden der Welt sind röhrchen- oder stengelförmoige Einschlüsse bekannt.)

Im Schlottwitzer Gang sind solche Büschel-Strukturen nicht auf das FB beschränkt, sondern treten manchmal auch in anderen Teilen der Gesamtabfolge auf. Sie sind also keine zeitlich einzugrenzende Besonderheit in der gesamten Bildungsphase, sondern an lokale physikochemische Bildungsbedingungen gebunden.

Am „Roten Felsen“ kann man das Band etwas so unterteilen und in die Abfolge (also abgrenzend zu den Nachbarn) einordnen:

1: eigentliches Fingerband mit typischen Strauch-Strukturen, in die diverse Minerale eingebaut waren oder noch sind

2: Milchquarzlage, manchmal mit Baryt-Kristallen; manchmal mit rosa Jaspis

3: manchmal aufliegende Achatlage, blass – dann aber Am4 dunkel und breit (variiert zum Königsfelsen hin stark und auch in Cunnersdorf!)

Übersichtsbild in der „normalen“ RF-Abfolge:

Das FB startet hier dunkel und endet dunkel, und darüber sind der Am4 schmal dunkel und die Mittellinie des schmalen ZQ ebenfalls schmal dunkel, was eine gut sichtbare Schichtung ergibt, die sich im HA gut fortsetzt. Stück im NA abgebrochen. (Müglitz 2011)

Hier ein Vergleich dieses Stückes im Detail mit einer ganz anderen Ausprägung:

Detail vom obigen

anderer Aufbau (ebenfalls Müglitz 2011)


Während links viel Hämatit im FB „blüht“ und nur eine sehr geringe rosa Baryt-Störung darüber liegt, sind rechts die Hämatit-Bedeckungen viel geringer, dafür aber die Baryt-Kristalle darüber gut ausgeprägt, und der superdünne Am4 umschließt sie rosettenartig perimorph.

Auch die nähere Ortsvariabilität der Bandbreite ist sehr interessant und legt eine Abhängigkeit von der Schwerkraft nahe, insbesondere bei gespiegelten Stücken:


Da mir keine gelungenen mineralogischen Untersuchungen des ursprünglichen Bestands der Strauchstrukturen bekannt sind, kann ich nur geometrisch-strukturelle Vermutungen darüber äußern, was das am Anfang, während der Bildungsphase, mal gewesen sein könnte. Kann das Miksroskop da helfen?

Es kommen Blasen-Schläuche vor, die eine „Seele“ zu haben scheinen, an denen sich auch andere Minerale anlagern können:


Es kommen auch ganz dünne Fasern vor, die im Schliffbild-Lichtreflex zeigen, dass sie etwas weicher als ihre Matrix sind:


Beim Träumen kann man sich Stalaktiten oder organische Ursachen („Gewächse“ aus zeitweiligen Mikroben-Ansammlungen) vorstellen, was bei den vermuteten Temperaturen (90°C) und beim vermuteten Chemismus in hydrothermalen Gängen insbesondere bei dem offenbar ausreichenden Eisengehalt nicht unmöglich erscheint.

Im besonders dunklen Chalcedon des Cunnersdorfer Achats sieht das so aus:


Wenn die Baryte stärker werden, gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse der Pseudomorphose. Besonders schön sind Exemplare, wo die Kodiffusion noch nicht abgeschlossen ist, und ein Rest Baryt im Inneren erblieben ist:

Links die unfertigen PM

In der Bildmitte eine unfertige PM


Am Königsfelsen können die Baryte dann sogar eigene große  Strukturen wie „Ähren“ entwickeln:

Der superdünne Am4 liefert hier lediglich im Anschnitt seiner perimorphen Inseln einen Farb-Beitrag über der dominierenden Baryt-Lage des FB.

Manchmal kommen im FB neben den Baryt-XX auch Fluorit-Kugeln vor, die zum Teil auch nur einseitig tiefblau gefärbt sind. Sie lassen sich beim Polieren nur sehr schwer erhalten (vielleicht auch T-empfindlich??):

Fluorit gleich neben halbumgewandleten Baryt-XX

einseitig gefärbte Fluorit-Kugeln


Entfärbte Fluorit-Kugel gleich neben einem FB-„Schlauch“-Gewächs

Bevor es nun um die dritte Schicht des FB, die zum Achat werden kann, gehen soll, hier noch ein Stück mit quasi fehlendem FB, wenn nicht das winzige dunkle Abschlussband des Chalceedons der ersten Schicht (die beiden anderen fehlen) zu sehen wäre:

(Bemerkenswert ist auch die schöne Doppellage von Hornstein über dem NA zum Abschluss.)

Die dritte Schicht ist manchmal nur als Anflug zu ahnen:


Und manchmal bildet sie schon einen dünnen Achat aus, zum Beispiel auch als abgeschlossene Augen:

(Kiesgrube Coswig)

Weiter zum Könihsfelsen hin gibt es dann die schön breite Kombination mit dem Am4:

Mein erster Fund dieser Art in der Müglitz 2012

Detail: Der Chalcedon des Fingerbandes hat eine ähnliche Tönung wie der Am4


Der Kontrast kann sich auch völlig verändern:

Am schönsten ist es dann aber am Königsfelsen selbst (Müglitz-Fund 2011, 6 km abwärts vom Felsen):

Tja, da der Teufel aber oft im Detail steckt, muss man hier zugeben, dass da über den Baryt-XX eine dünne Am4-Linie zu sehen ist und dann auch noch die grüne Chalcedon-Mittelinie des ZQ, so dass wir den Achat hier nicht mehr zum FB zälen dürfen. Dumm gelaufen…

An dieser Stelle muss man nun einfach zugeben, dass die Verwandtschaft von Rotem Felsen und Königsfelsen wohl doch nicht so einfach strukturiert ist, wie ich mir das erträume. Zur Klärung wären genaueste Datierungen der Schichten erforderlich oder eine noch größere Sammlung von Belgstücken. (Felsen dürfen in Sachsen nicht bearbeitet werden, Flussgeröll-Zuordnungen sind aber wiederum schwierig…)

Deshalb zum „Abgewöhnen“ noch dieses kuriose Stück aus der Müglitz (2017):


Alles klar?

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