Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


0.5.9 Felder des alten Müglitzlaufes

Woher weiß man, wo die „Alte Müglitz“ geflossen ist?

Eine der Quellen dieses Wissens ist das Auffinden von Geröllen, deren Bildungsareal bekannt ist. Das sehr typische Material einiger OEG-Achate lässt sich auf diversen Feldern links und rechts (und über 100 Höhenmeter über dem jetzigen Talboden) der heutigen Müglitz finden. (Das gleiche Material kommt auch im Flussbett der Müglitz vor, was kein Widerspruch ist, da es von den Feldern hinabgespült werden konnte.)

Wenn man von Süden nach Norden geht, sind das für das Material des Gangsystems von Schlottwitz (also inklusive Berthelsdorf und Döbra) eine Reihe von Feldern, auf denen jetzt zufällig die Ablagerungen auf früheren Schotterbänken in Fluss-Schlingen gut abgerollt zu finden sind (bis Falkenhain links der jetzigen Müglitz, später rechts):

Geht man noch weiter nach Norden, findet man in den Kiesgruben das „Alten Elbelaufes“ in der Lausitz ebenfalls Material aus Schlottwitz.

Auch in den Kiesgruben nahe der heutigen Elbe findet man es: Die Gegend um Riesa und elbabwärts davon sind sehr gute Stellen. Je nach „Horizont“ der Entnahme schwanken die Wahrscheinlichkeiten der Funde stark (Genehmigung einholen!!). Auch das könnte ein Studienobjekt sein…

Die Bezeichnung „Osterzgebirgsfluss“ für frühere Müglitz-Läufe meint, dass man nicht weiß, wo der jeweilige  Zusammenfluss mit der Elbe gewesen ist und wo andere Nebenflüsse in die Müglitz gekommen sind. Das liegt sicher daran, dass es auch heute noch verwirrende Funde gibt, weil offenbar auch die Freiberger Mulde einen ganz anderen Verlauf gehabt haben muss, wenn in Riesa (also sehr weit elbaufwärts von Dessau!) „Mulde-Stücke“ liegen.

Weitere Verfeinerungen des Modells ergeben sich aus Funden anderer Achatgänge, wie zum Beispiel Hirschsprung-Achat oben in Crotta, Dönschten-Achat (Weißeritz!) in Coswig (aber wo noch vorher?).

Im Umkehrschluss kann man ermitteln, wie schnell sich die Müglitz in „schräger“ Spur ins heutige Tal geschnitten hat.

Und außerdem kommt man ins Grübeln, wieso in Felsen unten an der heutigen Müglitz Stücke eingebaut sind, die auch 150 Meter höher auf Feldern liegen. Sind es Riesen-Trümmer, die damals in tiefe Felsspalten gestürzt sind und dort neu verkieselt wurden? Das würde mit dem Zwiebelschalenmodell des Osterzgebirges (z.B. Ulrich Sebastian, „Die Geologie des Erzgebirges“, ISBN 978-3-8274-2976-6) im Zusammenspiel von gleitender Subduktion und Exhumierung zusammenpassen und der heutigen Beobachtung von Streichen und Fallen der Schichten des Müglitztales entsprechen.

Eine Überschlagsrechnung der Feststoff-Verfrachtung der Elbe stimmt mit der thermischen Überschlagsrechnung für die Bildungstemperatur der Gangachate von etwa 80 bis 100 °C insofern überein, als dass beide Rechnungen auf einen Abtrag des OEG von stark gerundet mindestens 1500 m in 280 Mio Jahren kommen.

Aus dieser Sicht ist es ein großes Glück für die Sammler, dass die Veränderungen seit der Eiszeit noch Achate auf heutigen Feldern ermöglichen.

(Beispiel-Bilder von Achaten kommen noch!)

Kommentare

Ralf Schmidt am Dienstag, 19. November 2019:

Toll gemachte Seiten und Kommentare.

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