Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


4.2 Ipanema

Auch hier nur einige Bemerkungen:

Manchmal überliste ich die Zuhörer damit, dass ich „Hänschen klein“ nur als Melodie-Stimme in C-Dur als Vorspiel wähle, weil dort die beiden Terzen g-e und f-d ebenfalls vorkommen, um aber dann nicht – wie hier – in der dritten Folge statt auf dem Grundton auf einer schwebenden Blues-Quinte zu landen. Es gibt immer ein Schmunzeln, wenn die Gäste die Verwandtschaft der Melodien und den Schalk in meinen Augen bemerken, wenn ich bei der Wiederholung in das echte Stück einsteige…

1. Der chromatische Abstieg von G über Ges zu F ist Jobim-typisch, wie wir schon bei Desafinado bemerkt haben. (Man kann auch im Vorspiel schon damit anfangen.)

2. Im B-Teil ist das Spiel mit der Septime vorherrschend, zuerst als Große Septime auf Ges (f), dann als Kleine Septime auf b (as=gis, auch als None auf Ges umzudeuten und damit als Verbindungs-Harmonie zu nächsten Schritt), dann als None auf g (a) (hier fälschlich als G7 geschrieben!), und zwar jedesmal in Dur aufgelöst (H, D, Es)

3. Der Rückweg über den Quintenzirkel-Abstieg ist dann eine glatte „Erholung“ in klassischem Fahrwasser. Der veränderte A-Teil als Überleitung zum neuen Strophen-Anfang (am Ende auch wieder mit einer Rückung F -> Ges7+ -> F zu machen…) fehlt oben in der Darstellung, bringt aber harmonisch nichts Neues.

Übrigens klingt es auch gut, wenn man im 6. Takt des‘ statt c‘ spielt. Das passt als Blues-Quinte genauso schlecht wie gut zu Ges7 und unterstreicht den harmonischen Gang m.E. besser, da man in Takt 7 sowieso auf dem c‘ (in F7+) landet…

Kommentar abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.