Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


4.7 Ausblick

(unbekannt)

Das ist eine „Struktur“. Das Dumme ist nur, dass eine „echter“ Krieg zwischen den Stärksten heute keine Armut mehr schaffen kann, weil es keine Überlebenden mehr geben würde, weshalb es Stellvertreterkriege gibt.

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“

Genaueres Nachdenken zeigt aber, dass es auch früher schon Situationen gab, wo – im kleineren Kreise, zugegeben – der Tod des Gegners den eigenen bedeutete:

Wenn es nur eine Erde gibt, dann zerstört man sie besser nicht? Dann lebt man lieber nachhaltig? Indianerweisheit ist altmodisch?

Wir haben gesehen, dass durch den Verzicht auf Kultur (Kultur als Verzicht auf Tabubruch) durch

die Unkultur sukzessive im Alltag etabliert wird und positiv rückgekoppelt zum freiwilligen und mehrheitlichen gewählten Ersatz der Demokratie durch Autokratie führen kann. („Nationalisten aller Länder, vereinigt Euch!“, könnte man – sarkastisch an Marx angelehnt – angesichts der Visegrad-Gruppe denken, die in Deutschland und der EU ihren Bruderfeind sieht, der sie nicht gegen die Außenfeinde schützt…)

Welche Kraft steht dem entgegen? Wenn sowohl repräsentative Demokratie als auch Marktwirtschaft tendenziell kulturfeindlich sind, was wären die Alternativen? Wie sähe eine Gesellschaft ohne Wahlkampf und ohne Werbung aus?

Beides muss gegen die herrschenden politischen und wirtschaftlichen Eliten durchgesetzt werden. Aber wie und durch wen?

Wenn das nicht gelingt, führen die gesetzmäßig wachsenden unterschwelligen Ängste vor

zu archaischen Reaktionsmustern eines Herdentieres:

Das „Experiment“ der ersten nichtautokratischen Gesellschaftsform in der Geschichte, die Demokratie auf marktwirtschaftlicher Basis, führt zur Freisetzung innerer Kräfte nach Gesetzen, die nicht vom Individuum als Subjekt, sondern von der ökonomischen Gesellschaftsform als „Subjekt“ (Marx) dominiert werden. Die Folgen sind oben beschrieben. (Hinzu kommt die Negativauslese in der Politik, sobald die Unkultur groß genug geworden ist: Schreihälse und Scharfmacher gewinnen gegen kulturvoll Abwägende.)

Das „Gegenexperiment“ des wissenschaftlich begründeten Sozialismus braucht eine (kollektive) Autokratie (allerdings mit interner Demokratie, vergleichbar mit der Sklavenhalter-Demokratie im alten Athen), die zwar ungewollte Entwicklungsrichtungen verhindern kann, aber gegen eine Negativauslese im Inneren (die Besten gehen nicht in die Politik) nicht gefeit ist.

China beschreitet noch immer den Weg, den Staat als Riesenkonzern planmäßig auf dem Weltmarkt zu lenken.

Es ist längst an der Zeit, die durch die „Globalisierung“ endlich gewordene Welt einheitlich zum Wohle aller Erdenbewohner zu verwalten. Da aber die Kultur des Verlierenkönnens seit Gorbatschow und die Kultur des Teilenkönnens nach dem Sieg seit Mandela aus der Welt sind und da ein sich als Großmacht fühlender politisch-militärischer Klotz nicht freiwillig ins zweite Glied treten will, stehen uns heiße Zeiten bevor.

Für die konkreten Probleme der Zukunft gibt es kein Beispiel, von dem man positiv lernen könnte. Das liegt in ihrer Natur. Für die abstrakten strukturellen Probleme aber gibt es theoretische Erkenntnisse, die man nutzen könnte, wenn man zur Kultur (sprich: Verzicht) bereit wäre.

Man könnte aber aus negativen Beispielen lernen, je nach Kultur:

Der erste Erfolg des Lernens wäre an der Sprache abzulesen. Dann wären durch Giftgas getötete Menschen nicht toter als die durch zielsuchende Bomben zerfetzten. Dann wären drei bekannte tote deutsche Soldaten nicht toter als Tausend unbekannte verhungerte Afrikaner, die mit dem Geld für die Waffen der drei Soldaten noch leben könnten. Dann dürften nicht diejenigen, die Atomwaffen und Chemikalien zur Massentötung erfolgreich eingesetzt haben, genau diese den anderen verbieten und völkerrechtswidrige „Bestrafungen“ ausführen, ohne ihre eigenen solchen Waffen abzuschaffen.

Einer sagte es so:

Es ist eine Frage der „Macht“.

 

Seit Tausenden Jahren gibt es Weise auf der Welt. Die weisesten von ihnen wussten, dass man auch den Unwissenden helfen muss, einen Platz in der Welt und Frieden in der Seele finden zu können, und schufen religiöse Lehren. Diese sind der größte Kulturschatz der Menschheit (sagt hiermit ein Physiker und Marx-Verehrer), denn sie machen gesellschaftflich stabile Struktur möglich, egal, wie die Religion heißt. (Dass jede Religion machtmäßig missbraucht werden kann, steht auf einem anderen Blatt.)

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, die Religionen durch Missbrauch lächerlich zu machen. Dagegen wehrten sich große Geister erfolgreich: Jesus von Nazareth und Martin Luther. Heute steinigt eine Partei mit einem „C“ ihre Chefin für die Tatsache, dass sie in einer Notsituation christliche Grundwerte höher geschätzt hat als geltendes Tagesrecht. Was muss noch passieren?

(Stand 22.04.2018)

 

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