Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


3. Zweitstimme als zeitlich versetzte rhythmische Antwort

Es kommen immer wieder Titel vor, die zum Singen deshalb atemtechnisch einfach sind, weil sie Pausen zum Luftholen lassen.

Und genau in diesen Pausen kann man eine spielerische Improvisations-Antwort geben, indem man

Das kann man dann sogar von Strophe zu Strophe steigern, und wenn es abgesprochen ist, auch als Einführung voranstellen. (Die Intro macht man dem Gesang zuliebe mneist so, dass man zum Anfangston hinleitet.)

Will der Sänger oder die Sängerin ebenfalls etwas improvisieren, kann man sich von Strophe zu Strophe gegenseitig steigern.

Erst recht gilt das alles für mehrere Instrumente, die abwechselnd Soli spielen („den Chorus haben“), und dann geht es nicht mehr um das Füllen von Pausen des Gesangstextes, sondern einfach um Strophenteile (A, B, C, …) oder ganze Strophen.

Wichtig ist immer, dass man dem Nachfolgenden etwas entgegen arbeitet, um seinen Einstieg zu erleichtern; zumindest sollte man auf einen Zwischenschluss hinarbeiten.

Übungsaufgabe

1. Schiebe in „Hänschen klein“ Zwischentakte ein (harmonisch identisch zum Vorgänger), die zum Improvisieren einladen und versuche einfache Improvisationen in diesen, zum Beispiel so:

Erkennst du das kontrapunktische Spiel zwischen den Antwort-Takten:

Die erste Antwort beginnt mit dem gleichen Ton wie die Vorlage, endet aber anders, die zweite gbeginnt und endet mit dem gleichen Ton, die dritte beginnt und endet anders und hat auch die Harmonie gewechselt und erhöht damit die Spannung für die nächsten beiden Takte (Vorlage und Antwort). Rhythmisch passiert dagegen zwischen den Antworten wenig, es wird einfach das erste Viertel punktiert und dann eine Überleitung mit Durchgangstönen angehängt… 

2. Nimm Dir bei einer rhythmischen Bewegung wie Spazierengehen, Joggen oder Radeln (oder auch Schwimmen!) einfach in Gedanken ein Lied vor und verändere es (auch nur in Gedanken) schrittweise. Du wirst sehen, dass es von Mal zu Mal viel leichter wird. Dann kannst Du dazu übergehen, es laut zu singen. Und erst dann sollte man es auf einem Instrument versuchen. (Wem allerdings sein Instrument schon so vertraut ist wie die eigene Stimme, der kann es auch sofort auf diesem spielen…)

 

Kommentar abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.