Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


4.4.2 Struktur-Elemente der Sprache

Frage:

Was unterscheidet unterschiedliche Sprachen aus der Sicht der Struktur-Gedanken?

Es ist ja eigentlich ganz einfach:

Die Elemente der Sprache sind die Wörter. Diese kann man strukturieren, das heißt in verschiedene Typen unterteilen, von denen die fünf wichtigsten

bezeichnen. Das wird es wohl in allen Sprachen geben. Ein „Gedanke“ setzt diese Typen in Beziehung zueinander, beschreibt also einen Zusammenhang, indem eine zusammengehörige Wort-Gruppe („Satz“) gebildet wird. Nun hat man bei der Konstruktion einer Sprache verschiedene Möglichkeiten, diese Beziehungen auszudrücken:

Zwei Sprachen vom Flexions-Typ sind Deutsch und Russisch. Englisch steht für den Satzbau-Typ. Für den Lern-Einstieg sind die Satzbau-Typen leichter, für die fortgeschrittene Konstruktion komplexer Gedanken die Flexions-Typen.

(Ein englischer Schalgertext ist eingängig, ein komplexer wissenschaftlicher Gedanke auf Englisch oft erst nach mehrmaligem Lesen zu verstehen, obwohl man jedes Wort kennt. Tolstoi im Original ist ein Schmaus ohne Ende, und unbekannte Wörter erklären sich oft aus dem grammatisch eindeutigen Zusammenhang von selbst.)

Grammatik ist also das strukturelle Zauberwort, um aus einem Wust von Wörtern einen Sinn zu machen.

Aber warum sind die Grammatiken unterschiedlicher Völker so verschieden? Welches Werden steckt hinter diesen Strukturen?

Die Informatiker wissen ein Lied davon zu singen, was es beudetet, Kompromisse beim Erfinden von Sprachen zu schließen:

Die menschliche Sprache hat aber natürlich noch mehr Nuancen, denn sie will auch das nicht Eindeutige und das Unklare ausdrücken können, möchte im Möglichen bleiben können. Das Spiel der Gedanken soll über das Spiel mit der Sprach-Struktur vermittelbar sein.

Zur Zeit erleben wir eine Fülle neuer Erfindungen durch die Werbung, die das Spiel mit den Formen so weit treibt, dass sie klare Regeln bewusst verletzt, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese „Fehler“ werden bei erfolgreicher Werbung dann – zuerst schmunzelnd zitierend, später gedankenlos wiederholend – in die Alltagssprache übernommen.

Zu allen Zeiten gab es führende „Spieler“ mit den Möglichkeiten der Sprache, die Lyriker. Werden sie nun von den Werbe-Profis verdrängt?

Ist die unterschiedliche historische Entwicklung der Grammatiken vielleicht auf historisch unterschiedliche „Mode“-Erscheinungen zurückzuführen?

Das wäre eine eigene Untersuchung wert, wofür hier leider kein Raum (und auch keine Kompetenz bei mir) ist.

Fazit:

„Sprache“ ist ein interessanter Beleg für die Tatsache, dass inhaltliche Vielfalt ohne Verlust der Eindeutigkeit auf zweierlei Weise zu erreichen ist:

Hinweis:

Mir stehen nur die Sprachen Deutsch, Russisch und Englisch zur Verfügung. Wenn jemand etwas zu anderen Sprachen und Sprachfamilien beisteuern kann, würde ich mich über ausführliche Kommentare sehr freuen!

 

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