Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


0.5.12 Johnsbach

Johnbacher Achat mit ALLEN Raffinessen: verheilte Risse (einer konfus gefüllt, der obige mit rotem Achat als erste verheilende Schicht angedeutet), Perimorphosen (links ein dunkelblauer Fluorit-Kuboktaeder rot und weiß umrandet), Pseudomorphosen, Achat, Fluorit (dunkelblau und hellblau), Rosa-Baryt (oben links rot umfasst im weißen Achat, teilweise pseudomorph ersetzt); unten das bröcklig gewordene Wirtsgestein, oben ein feiner Quarzrasen mit Fluorit-Einschlüssen

In Johnsbach gibt es viele Stellen, wo Achat oder Fluorit oder Amethyst bis Morion oder Baryt oder die vier in verschiedenen Kombinationen anzutreffen sind. Da auch grüner Chalcedon dabei sein kann, ist es das bunteste „Gestein“, was man sich denken kann. Es hat nur von schwedischen Graniten oder brasilianischen Mandeln oder indischen Fluoriten Konkurrenz zu befürchten, was die Farben angeht, aber strukturell ist es konkurrenzlos.

Start zeimlich eben, Abschluss mit pseudomorph durchsetztem Rauchquarz

Start im „Geröll“ des Ganges

Die Farben können sogar getauscht werden: Olivgrün für den Fluorit und hellblau für den Chalcedon:

Johnbach: Auf dem dunkelblauen Fluorit sitzt noch olivgrüner auf, schön durchschlagen von hellblauem Chalcedon als Zwickel- und Rissfüllung

Wer mehr Johnsbacher Steine möchte, findet auch sehr starke Gangstrukturen:

Man kennt etwa ein Dutzend Sammel- und Fundstellen, wenn man die Halden an den Waldrändern hinzunimmt. Geologisch sind mehrere Gänge zu unterscheiden; auf mindestens einem ist auch Uran vorgekommen. Sie gehen in die Nachbar-Fundorte über: Falkenhain-Dönschten und Hirschsprung-Bielatal. Als ein gutes Bindeglied zwischen diesen Gängen sind die überall „nebenbei“ vorkommenden Amethyste zu betrachten.

Fangen wir mit dem Fluorit an, der vor allem im südlichen Teil des Gebiets vorherrschend ist: Mein größter (und schwerster!) Fund gelang mir durch Betasten der Bachböschung, in der die typischen Furchen durch die Verwitterung des Fluorits zu fühlen waren:

In ihm war alles enthalten, was strukturell spannend ist: Pseudomorphosen, Perimorphosen, verheilte Risse, Achat-Augen, Strauch-Strukturen. Schon der erste Schnitt war eine Augenweide wie der Rohstein selbst.

Unter Kennern gilt das mittelblaue Doppelband (durch eine dunkle Linie getrennt) als Charakteristikum, das sowohl völlig eben als auch gewunden vorkommen kann:

Der Karneol (bis zum echten, feingebändert roten Achat) ist eine wunderbar reizvolle Abwechslung, aber eine Ausnahme-Version des bräunlichen Hornsteins, der alles durchdringt.

Wieviel Bewegung auf diesem Gang war, lässt sich an interessanten Hornstein-„Trümmern“ (Brekzien aller Größen) erkennen, deren bindende Masse der Fluorit ist, welcher seinerseits wieder Zwickel für Achate bietet:

Als Nonplusultra der Zwickelfüllung gilt in diesem Fundpunkt der ganz oben im zweiten Bild zu sehende Rauchquarz. Drei weitere schöne Füllungen sollen nicht verschwiegen werden (rätselhaftes Stück auf 1-cm-Raster-Papier):

Mehrfarbiges Fluorit-Auge in Horbstein:

Achat-Auge in Fluorit:

Nun verlassen wir den Südteil des Gebiets, der heute, wie auch ders mittlere Teil, Richtung Bärenhecke in die Müglitz entwässert.

Im mittleren Teil des Gebiets ist der Achat-Anteil überwiegend, und solche Steine findet man auch abgerollt in der Müglitz wieder und natürlich auch noch in den Elbe-Kiesgruben der Riesaer Gegend. Sie zeigen oft die für das Osterzgebirge typische Aufspaltung des Achats in zwei Generationen:

Dieser ist bis Riesa gerollt (nur gesägt):

Im nördlichen Teil des Gebiets (NW der Kirche, entwässert heute über Glashütte in die Müglitz) sind feine dunkelrote Achate zu finden und ganz schmale Amethyste:

Morion-Füllung des Achats und unten etwas Fluorit im Hornstein.

Das letzte Stück stammt vom Brießnitzgrund am Ortsrand von Glashütte und hat wieder deutliche Trümmer, erinnert aber schon stark an die feine Streifung von Falkenhain-Dönschten.

Die größeren Amethyste ziehen sich vom Südteil des Gebiets bis ganz nach Westen, wo sie offenbar zum Falkenhainer Gebiet übergehen. Sie sind verstreut auf den Feldern und an Waldrändern zu finden:

Auch hier oben denkt man schon an Dönschten.

Die fast schwarzen Kappen irritieren etwas. Ich vermute Mangan.

Man sieht, diese kleine Auswahl bestätigt die Behauptung der Buntheit Johnsbacher Steine. Manch Sammler hat schon bei ebay solche Stücke von mir erworben („OEG Achat“).

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