Joachim Adolphi

Struktur als Protokoll des Werdens


4.3.1.3 Musik-Strukturelement 3: Klang-„Färbung“ und Instrumentalisierung

Wie wir in den Grundlagen gelernt haben, ist die Verteilung der Schwingungs-Energie auf die Obertöne von der Konstruktion des Schwingers abhängig. Deshalb hat jedes Instrument seine Klang-„Farbe“, an dem wir es wieder-erkennen können.

Dieses zusätzliche Strukturelement steht nur zur Verfügung, wenn wir es uns leisten können, so viele Intrumente zu besitzen, oder wenn wir es elektronisch erzeugen können. Hier gibt es rein synthetische Methoden oder die des „Samplers“, der gespeicherte Klänge aufruft und mischt.

Das „Wunder“ ist hier nicht die Elektronik oder die Schläue der Programmierer, sondern unser Ohr, das aus dem rein zeitlichen Signal einer Punktquelle einen kompletten Vielklang vermitteln und in Zusammenarbeit mit dem Gehirn und zwei Punktquellen (Lautsprecher z.B.) zu einem musikalischen Raum-Erlebnis zusammenbauen kann.

Diese „Struktur“ ist in uns drin, ohne dass wir etwas dafür können. Sie ist so ungeheuerlich effektiv, dass es schwerfällt, sie nachzubauen. Was ist daran Physiologie und was Psychologie? Wieso können wir unterschiedliche Instrumente erkennen, wenn sie den gleiche Ton spielen? Wieso mischt sich das nicht zu einer neuen Klangfarbe eines Hyper-Instruments? Addieren sich am Ende die Luftdruckwerte nicht (altes Superpositionsprinzip der Physik)? Doch, das tun sie ganz bestimmt, aber das Ohr im Zusammenspiel mit unserem Gehirn (und im Zusammenspiel mit unserer Psyche?) wertet offenbar komplexere Zusammenhänge als einen einfachen Druck-Verlauf in der Zeit aus.

Hierzu kann man einmal synthetische Klänge erzeugen und vergleichen. Oder zumindest erst einmal auf dem Papier Schwingungen überlagern und untersuchen, welche Hyper-STRUKTUREN dabei erkennbar werden. Das betrifft sowohl physikalische als auch „ästhetische“ Randbedingungen:

– Wer legt die Energie-Verteilung über die Obertöne fest? (Der Körper des Klangerzeugers über interne Rückwirkungen, das Übertragungsmedium durch frequenzabhängige Dämpfung, der Empfänger mit seinem Frequenzgang, …)

– Wer legt die Phasenlage der Obertöne fest?? (Ein Energie-Minimierungsprinzip, rückgekoppelt über die Gesamt-Elongation?)

– Gibt es Zeitkonstanten für solche Rückkopplungen? Wie lang muss ein Ton sein, damit sich seine Klangfarbe einstellt? Wie lang muss man ihn hören, um ihn einordnen zu können? Wie lang müsste das eine gute Technik „hören“? (Fourieranalyse erfordert mehrere Wellen, also Zeit…)

Hierzu werde ich noch einige Veranschaulichungen nachliefern, eine grafische Synthese mit entsprechenden freien Parametern ist in Arbeit. Kleine Vorschau:

Nur systematisch verteilte Energie auf die Obertöne ohne Phasenverschiebung („Sägezahn“)

Acht systematisch und individuell veränderte Oberton-Energien samt individueller Phasenverschiebung (gleiche Frequenzen wie oben!)

Der Komponist spielt mit dieser Vielfalt der Farben, indem er die Stimmen auf verschiedene Instrumente verteilt. Die Liebhaber von Opern und Sinfonien wissen das zu schätzen.

Eigenartigerweise überfordern Opern und Sinfonien häufig meinen ganz persönlichen Struktur-Fetischismus. Ein Konzert für Solo-Instrument und Orchester hingegen ist für mich immer ein Genuss. Da muss ich über meine Psyche (oder meinen Struktur-Verstand?) offenbar noch einmal nachdenken…

 

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